Es blitzt und blinkt am Christiansportal

Bayerische Schlösserverwaltung hat Kunstwerk im Kasernenhof der Plassenburg restauriertt

Freunde der Plassenburg finanzieren die Waffen

von Holger Peilnsteiner

Kulmbach

Es blitz und blinkt im Sonnenlicht, wenn man derzeit ab Mittag in den Kasernenhof der Plassenburg blickt. Das Baugerüst, das seit vergangenem Jahr eines der schönsten Kunstwerke Kulmbachs verborgen hat, ist verschwunden. Der Blick liegt nun frei auf ein frisch restauriertes Prunkportal mit Säulen, Obelisken, Kriegerfiguren, einem Reiterstandbild, einer Göttin und Unmengen an wohlgestaltetem Zierrat. Die neuen Vergoldungen an den Speeren und dem Schwert der Figuren des Christiansportals bieten mit den goldenen Kugeln auf den Obelisken und im Maul des Löwen ein faszinierendes Schauspiel aus Schatten, Reflektionen und dem Farbspiel des Sandsteins.

Die Bayerische Schlösserverwaltung und das staatliche Bauamt Bayreuth haben die wesentlichen Arbeiten zur Sanierung des Christiansportals und zur Rettung des außergewöhnlichen Figurenschmucks fertig gestellt. Cordula Mauß, Pressesprecherin der Bayerischen Schlösserverwaltung gab auf Nachfrage bekannt: „Die Natursteinarbeiten wurden weitestgehend abgeschlossen. Kleinere Nachbesserungen werden im unteren Bereich der Fassade noch ausgeführt.“

Die überlebensgroßen Kriegerfiguren und die sitzende Göttin im Giebel des Tores bilden rahmen als Dreieck den auf einem sich bäumenden Hengst in voller Rüstung sitzenden Markgrafen Christian ein, der 1606 bis 1608 diesen Triumphbogen zu seinen eigenen Ehren der Hohen Bastei vorblenden ließ. Es war der Abschluss der seit 1557 dauernden Wiederaufbaumaßnahmen der Plassenburg nach den Zerstörungen, die ein Resultat des zweiten Markgrafenkrieges (1552 bis 1554) waren.

Die Sanierungsmaßnahme war mit 220.000 Euro veranschlagt und die Schlösserverwaltung wird dabei nach Angaben aus ihrer Zentrale in Schloss Nymphenburg in München eine Punktlandung vollführen und den Kostenrahmen einhalten. Geholfen haben dabei die Freunde der Plassenburg, die sich bereits im vergangenen Jahr verpflichteten, die Rekonstruktion der Mitte des 20. Jahrhunderts verloren gegangenen Waffen der Figuren, eines Schwertes und dreier Stangenwaffen, zu finanzieren. „Das Material der Waffen ist Stahl, welches schwarz beschichtet beziehungsweise vergoldet wurde. Hierfür dienten unter anderem Waffen aus dem örtlichen Museum als Vorbild“, erläuterte Mauß zur Wiederbeschaffung.

Die Zusammenarbeit mit dem Kulmbacher Verein wird bei der Bayerischen Schlösserverwaltung sehr positiv gesehen. „Wir danken den Freunden der Plassenburg auf das Herzlichste für die großzügige Spende. Die Kosten der Rekonstruktion belaufen sich auf 3.000 Euro“, so die Pressesprecherin.

Dem aufmerksamen Betrachter des 1607 vom Nürnberger Künstler Hans Werner geschaffenen Prunktores werden diverse Kabel nicht verborgen bleiben, die vor allem am aufsteigenden Hengst und der Götterfigur gut zu sehen sind. „Hierbei handelt es sich um eine Taubenvergrämung, bei welcher geringe elektrische Stromstöße durch Metallstäbe geleitet werden, die für die Tiere unangenehm, jedoch ungefährlich sind.“ Diese neuartige Anlange führe dazu, dass auf das große Schutznetz verzichtet werden kann, das in den vergangenen Jahren das Tor überzog und zu einer optischen Beeinträchtigung führte.

In München wurde die Notwendigkeit einer Restaurierung, die die Freunde der Plassenburg über Jahre anmahnten, ebenso klar gesehen, wie Mauß ausführt: „Der Erhaltungszustand des Christiansturms hat sich seit der letzten Restaurierungsphase stark verschlechtert. An vielen Stellen waren größere Oberflächenverluste festzustellen. Der im Jahr 1976 verwendete Sandsteinersatzmörtel hatte sich als ungeeignet für das Objekt erwiesen und wurde im Rahmen der aktuellen Maßnahmen vollständig ausgetauscht, um weitere Schäden zu vermeiden.“ Bei einer Kriegerfigur musste eine Hand vollständig ersetzt werden. Die an der Sanierung beteiligten Experten einer Firma für Natursteinrestaurierung kamen aus Bamberg. Dachdecker und Klempnerarbeiten wurden von Firmen aus Kulmbach ausgeführt.

Ein bemerkenswertes Ergebnis der Forschungen im Vorfeld der Restaurierung waren Farbfunde an den Sandsteinfiguren. Überwiegend fanden sich die sehr spärlich vorhandenen Fassungsreste in geschützten Bereichen, etwa an den Skulpturenrückseiten oder in Vertiefungen. Der sehr reduzierte Bestand lässt jedoch laut Schlösserverwaltung keine Visualisierung der historischen Farbgestaltung der Fassade zu.

Die kunsthistorische Bedeutung des Gesamtkunstwerks aus Steinmetzkunst, Malerei, Schmiedekunst und Architektur ist in München klar erkannt worden. „Das Christiansportal ist eines der bedeutendsten renaissancezeitlichen Reiterstandbilder unseres Landes“, betonte die Pressesprecherin, „wir freuen uns, dass dieses hochrangige Kunstwerk nun wieder in frischem Glanz erstrahlt – wie einst die Rüstung des damit verherrlichten Feldherren, dem Markgrafen Christian von Brandenburg-Kulmbach.“

Nach der Ankündigung der Freunde der Plassenburg, die neuen Waffen zu bezahlen, hat sich spontan ein Einwohner des Kulmbacher Landes bereit erklärt, dies zu übernehmen, und stattete den Verein mit den entsprechenden Mitteln aus. Der Vereinsvorsitzende Peter Weith zeigt sich hocherfreut über dessen Großzügigkeit: „Der Spender möchte aber nicht genannt werden und seine Unterstützung der Plassenburg im Verborgenen sogar noch weiter fortsetzen.“

Der Vorsitzende machte bei Inaugenscheinnahme des restaurierten Prunkportals keinen Hehl aus seiner Begeisterung: „Die absolut erstklassige Arbeit der Restaurateure fasziniert mich, gerade weil ihnen es gelungen ist, das Portal nahezu wieder in einen perfekten Zustand zu versetzen.“ Jetzt gelte es, auch den Menschen in und um Kulmbach einen Besuch der Plassenburg und dieses großartigen Prunktores schmackhaft zu machen.

Das hölzerne Tor mit seinen beiden Flügeln und der darauf gemalte, lebensgroße Löwe sind bisher noch nicht restauriert. „Es wäre ein absoluter Traum der Freunde der Plassenburg, wenn auch dieser Löwe wieder zum Vorschein gebracht werden würde“ so Weith, der sich gut vorstellen könne, dass die Freunde der Plassenburg hier ebenfalls ihren finanziellen Beitrag leisten könnten. „In diesem Zusammenhang danken wir Freunde der Plassenburg der Bayerischen Schlösserverwaltung dass Sie unsere Anregung aufgegriffen haben und dass die Maßnahme mit einem so tollen Ergebnis umgesetzt hat. Wir freuen uns schon darauf, auch unsere nächsten Vorschläge vorzubringen!“

 

 

Fotos: Peilnsteiner


 

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