Woher kommt das Gemälde?
Die Dame mit der weißen Rose

Holger Peilnsteiner

Die Freunde der Plassenburg haben ein Porträt mit einem Geheimnis ersteigert: Wer ist die Frau mit der Plassenburg? Woher kommt das Gemälde? Sie hoffen auf Mithilfe.

Kulmbach – Streng blickt sie den Betrachter an, die Dame auf dem ovalen Gemälde, das die Freunde der Plassenburg jüngst bei einer Kunstgalerie in München erstanden haben. Dort wurde das Bild als „Adeligenportrait“ oder gar „Herrscherin“ aus Kulmbach angeboten. Das Hüftbild zeigt eine in ein aufwändig gearbeitetes braunes Reisekostüm gekleidete Dame mit schlichter Hochsteckfrisur, die zwei weiße Rosen vor sich im Schoß hält. Die Blumen hängen nach unten, frische Tautropfen sind vom Maler kunstvoll auf den Blütenblättern tränengleich gesetzt. Mit beiden Händen unter deren heller Haut sich fein die Äderchen abzeichnen, hält die Frau die mit vielen Stacheln bewehrten Rosen in ihren augenscheinlich perfekt manikürten Fingern.

Ein lässig aber würdevoll über beide Unterarme gelegter Pelz und eine zweireihige Perlenkette vermitteln zusätzlich den Eindruck einer äußerst gut situierten Frau aus reichem Hause. Das Bild ist mit Ölfarben auf Holz ganz im Stil von Tafelbildern der Renaissance und des Frühbarocks gehalten, doch die Malweise ist modern. Im Hintergrund zeigt sich eine gebirgige, bewaldete Landschaft, leicht nebelhaft dargestellt. Zwei Gebäude ragen jedoch sehr deutlich erkennbar heraus: Die Plassenburg hinter der rechten Schulter der Frau sowie darunter die Spitalkirche aus der Altstadt Kulmbachs. Die weiteren Bauwerke und deren Dächer sind in einer Art Sfumato gemalt und nur schemenhaft erkennbar.

Die Münchener Galerie bot vor einigen Wochen das Bild mit der wenig konkreten Bezeichnung als „Oberschichtenporträt“ an, ohne dass Herkunft oder die dargestellte Person benannt wurden. Weiße Rosen, die nach unten gehalten werden, sind oft das Symbol für Liebe über den Tod hinaus. Die Frau ist mit ernstem Blick im Dreiviertelporträt dargestellt und wendet sich mit ihren Augen direkt an den Betrachter. Alles an ihr strahlt Würde, Distanziertheit und Wohlstand aus. Aus der nebelhaften Landschaft wirkt sie als scharf umrissene Person seltsam entrückt. Es ist nicht bekannt, ob hier eine noch lebende oder eine 1930 eventuell bereits verstorbene Person dargestellt wurde.

Der Künstler heißt Franx Xaver Wilhelm Braunmiller, geboren 1905 in München und dort 1993 verstorben. Er war ein bekannter Porträt-und Kirchenmaler, der über 300 Gotteshäuser ausgestattet hat. Als jüngster angenommener Student der Münchner Kunstakademie lernte er bei Max Doerner und Adolf Schinnerer. Zahlreiche Münchner Persönlichkeiten und Kirchenvertreter haben sich von ihm porträtieren lassen. Seine Werke werden international in Galerien und auf Auktionen gehandelt. Sein in den 1920er Jahre begründetes Atelier nutzte er auch für die Erschaffung von Glasfenstern und wird bis heute als Restaurierungswerkstatt von seiner Enkelin weitergeführt. Das Damenporträt mit der Plassenburg ist von ihm mit der Jahreszahl 1930 signiert. Es wurde wohl in den 1930er Jahren in München gerahmt, wie ein Aufkleber verrät. Der Objektrahmen ist wuchtig, dunkelbraun und mit einer Goldleiste zum Gemälde hin nochmals abgesetzt. Eine für die 1930er Jahre sehr teure Art der Rahmung.

„Wir haben das Bild vor Ostern im Angebot einer Münchner Galerie im Stadtteil Schwantalerhöhe entdeckt. Die qualitätsvolle Malweise, der bekannte Künstler und der direkt erkennbare Bezug zu Kulmbach und der Plassenburg haben uns überzeugt, den Ankauf zu wagen“, erklärte der Vorsitzende der Freunde der Plassenburg Peter Weith die Umstände der Erwerbung. Zudem sollte nach vielen männlichen Porträts auch wieder ein in Verbindung zur Plassenburg stehendes Damenbild die Sammlung des Vereins bereichern.

Das Gemälde befindet sich laut Peter Weith trotz kleiner Schäden in einem recht guten Zustand: „Minimale Verschmutzungen und kleine Kratzer sind vorne zu sehen. Auch am Rahmen sind leichte Gebrauchsspuren, Kerben und Abplatzungen zu erkennen“. Der Verein wird in den kommenden Monaten für eine Restaurierung des Bildes sorgen, das in Zukunft im Rahmen von Ausstellungen oder in einem der Museen eventuell dauerhaft der Öffentlichkeit präsentiert werden soll. Über die Höhe der Ankaufsumme wurde Stillschweigen vereinbart.

„Zunächst aber wollen wir das große Geheimnis des Bildes lösen: Wer ist die Frau?“ Der Verein fordert die Bürger auf, das Bild auf seiner Webseite oder in der Frankenpost genauer zu betrachten und dem Verein Hinweise auf die Identität der Dargestellten zuzusenden. „Wir wollen auch wissen, wo das Bild einmal gehangen hat“, so Weith.

Die Freunde der Plassenburg bitten darum, Hinweise unter Angabe der Adresse an geheimnis@freunde-der-plassenburg.de oder an die „Freunde der Plassenburg, Rosenkrantzstraße 28, 95326 Kulmbach. Als Belohnung für die besten Hinweise wird der Verein sich mit Gutscheinen für Gaststätten bedanken.


Herzlich willkommen bei den Freunden der Plassenburg


Hinweis: Pressemitteilung des Vereins Freunde der Plassenburg e. V. vom 28.08.2020 

 

Bis auf weiteres sind alle Vereinsveranstaltungen ausgesetzt. 

In seiner über 90-jährigen Geschichte setzte sich der Verein Freunde der Plassenburg für den Erhalt,
eine sinnvolle Nutzung und die Forschung zur Geschichte der Plassenburg ob Kulmbach ein.

Wichtiger Punkt der Arbeit des Vereins ist auch die Werbung für diese einmalige Festungs- und Residenzanlage.

Mit rd. 350 Mitgliedern führen die Freunde der Plassenburg Veranstaltungen rund um die Burg und zur Heimatgeschichte durch. Der Verein gibt seit Jahrzehnten die Schriftenreihe „Die Plassenburg“ für Heimatforschung und Kulturpflege in Ostfranken heraus.

© Bilder by Frank Günther, Hans-Joachim Kunze, Harald Stark, Holger Peilnsteiner, Peter Weith.

 

 

 

 

Weitere Informationen zum Film und Verkauf der DVD.
Hier klicken.